Bist du der Osterhase?
18. Februar 2012
Eine Geschichte aus der Zeitschrift Phlipp die MausText: Norbert Landa, Illustrationen: Hanne Türk
Am Tag vor Ostern kam endlich ein Brief von Rosa. „Sag schnell,
was sie schreibt!", rief Tom und setzte sich hin. Philipp las vor: Lieber Philipp, lieber Tom,
ich wünsche Euch Frohe Ostern. Schade, dass ich nicht bei Euch sein kann. Aber wo ich jetzt wohne, geht es mir auch recht gut. Und Eure neue Nachbarin ist bestimmt auch nett. Bitte besucht mich bald und erzählt mir, was Euch der Osterhase gebracht hat!
Eure Rosa
Betrübt legte Philipp den Brief weg. „Ich glaube, ohne Rosa ist das Eiersuchen nur halb so lustig", sagte er traurig. Plötzlich aber sprang er auf. „Ich weiß, dass Rosa nicht mehr hier wohnt, und du weißt es auch!", rief er. „Aber weiß es auch der Osterhase?"
„Ich glaube nicht", seufzte Tom. „Und das ist ziemlich schlimm. Denn was machen wir, wenn der Osterhase morgen ein Osternest für Rosa versteckt? Eines mit ganz vielen Schokoladeeiern?"
„Wir bringen es natürlich Rosa mit, wenn wir sie besuchen!", antwortete Philipp.

Tom jedoch schüttelte den Kopf. „Dann ist es doch viel zu spät!", sagte er. „Und wir beide sind doch keine Osterhasen! Weißt du was, Philipp? Wir beide teilen uns die Sachen. Ein Schokoei für dich, eins für mich, eins für dich, eins für ..."
„Ach hör doch auf, Tom!", rief Philipp. „Würde dir denn ein Schokoei schmecken, das Rosa gehört?"
Tom dachte nach. „Nein, eigentlich nicht so richtig gut", gab er zu. Was also sollten die beiden Freunde tun? Ihnen blieb nichts anderes übrig, als dem Osterhasen Rosas neue Adresse zu melden. Aber wie? Sollten sie ihm vielleicht einen Brief schreiben und im Finsterwald beim Raben abgeben. „Ja, das machen wir!", rief Philipp.
Und wenig später waren sie auch schon unterwegs zum Finsterwald. Als sie am Haus vorbeikamen, wo Rosa gewohnt hatte, begann Tiger an der Leine zu ziehen. „Lass das, Tiger", sagte Philipp. „Rosa ist umgezogen und wohnt nicht mehr in diesem Haus!"
Dann aber schaute Philipp genauer hin. Da war doch etwas! „Hast du das gesehen, Tom", flüsterte er. „Die beiden langen Ohren im Fenster?"
„Lange Ohren?", rief Tom aufgeregt. „Wo denn? Ich sehe nichts!" Tatsächlich waren die Ohren wieder verschwunden. Nur der Vorhang bewegte sich noch.
Dafür tauchten die Ohren im anderen Fenster auf. „Schau doch!", sagte Philipp. „Miau", machte Tiger und zerrte an seiner Leine.
Tom erstarrte. „Das kann doch nicht sein", rief er. „Das schaut aus wie die Ohren vom O... vom Os..."

„Nicht so laut", flüsterte Philipp. „Wenn das wirklich der Osterhase ist, dann müssen wir ganz leise und freundlich sein. Warte, ich schau nach, was auf dem Türschild steht."
„Bloß nicht!", flüsterte Tom und wollte schon davonlaufen. Doch Philipp hielt ihn fest. „Wir wollten doch den Osterhasen suchen", zischte er. „Suchen wollten wir ihn und nicht vor ihm wegrennen! Oder willst du etwa Rosa im Stich lassen?"
Nein, das wollte Tom auch wieder nicht. Also blieb er stehen und schaute zu, wie sich Philipp der Haustür auf Zehenspitzen näherte. „Sag schon", flüsterte Tom. „Was steht da?"
„Da steht: Milly!", sagte Philipp leise. „Komisch, ich habe gar nicht
gewusst, dass der Osterhase Milly heißt!" „Nein, Milly heißt er bestimmt nicht!", flüsterte Tom zurück. „Weißt du was? Das ist bestimmt sein Tarnname!"
Doch wie erschraken sie, als sie die Stimme hörten! Aus dem Fenster schaute jemand mit langen Ohren und rief: „Hallo, wer ist da!"
„Ha..., hallo Milly!", sagte Philipp. „Das sind bloß wir. Das ist Tiger und ich bin Philipp und das ist Tom. Wir wohnen da drüben und wollten bloß nachschauen, ob hier ..."
„... ob hier der Osterhase wohnt!", rief Tom. „Wegen der langen Ohren!" „Ob hier der Osterhase wohnt?", kicherte Milly. „Ich glaube nicht. Oder meint ihr, dass jeder mit langen Ohren schon der Osterhase ist? Und ein Mann mit weißem Bart, ist das immer der Weihnachtsmann?"
O je, das war Philipp aber peinlich. „Ach so, nein, natürlich nicht", stotterte er. „Das war bloß ein Irrtum. Also, dann bis bald!"
„Jetzt bleibt doch stehen!", rief ihnen Milly nach. „Wohin wollt ihr denn?" „Wir müssen dem Osterhasen melden, wo Rosa jetzt wohnt!", rief Tom zurück. Und Philipp sagte: „Sonst kommt er bestimmt durcheinander!"

Da musste Milly lachen. „Der Osterhase kommt doch nicht durcheinander!", rief sie. „Und wenn ihr es nicht glaubt, dann suchen wir morgen gemeinsam Ostereier!" „Glaubst du ihr das?", flüsterte Tom. Philipp nickte. „Wer so lange Ohren hat wie Milly", sagte er, „kennt sich bestimmt aus mit dem Osterhasen!"
Und als sie am Morgen mit ihrer neuen Freundin Ostereier suchten, da fanden sie hier im Garten kein Nest mehr für Rosa, dafür aber ein kleines für Tiger und ein großes für Tom, eins für Milly und eines für Philipp. Was für eine Freude!
„Milly, das stimmt!", rief Philipp. „Der Osterhase macht alles richtig!"
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Passend zu der Ostergeschichte
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18. Februar 2012
Text: Norbert Landa, Illustrationen: Hanne Türk Philipp und Tom freuten sich schon sehr auf das Ostereiersuchen! Sie schauten aus dem Fenster. Die Sonne war bereits aufgegangen, und die Vögel zwitscherten im Garten. „Komm, lass uns endlich hinausgehen", rief Tom voller Ungeduld. „Wenn wir noch länger warten, schnappt uns noch jemand unsere Ostereier weg! Oder der Osterhase holt sie sich zurück, wenn niemand kommt und sucht! Und dann isst er alles selbst auf!"
So schauten sie aus dem Fenster und warteten auf Milly. Wo sie heute bloß blieb! Denn ohne Milly wollte Philipp nicht mit dem Suchen anfangen. Er wollte noch ein Weilchen warten. Bestimmt würde Milly ganz bald kommen. Vielleicht hatte sie ihren Hasi vergessen?„Vergessen!", schimpfte Tom. „Verschlafen hat Milly! Und beim Frühstück getrödelt! Komm jetzt, Philipp, sonst suche ich mein Osternest alleine!"
Doch da kam Milly schon gelaufen. „Bin ich zu spät?", rief sie ganz außer Atem. „Ich habe nämlich meinen Hasi vergessen", sagte sie, „und da bin ich wieder zurückgelaufen. Jetzt sind wir da. Habt ihr schon ohne mich gesucht?"
„Natürlich nicht", sagte Philipp. „Jetzt aber los!", rief Tom. Und schon ging es hinaus in den Garten. Wo sollten sie mit dem Suchen anfangen? Dort hinter dem Zaun? Nein, da war nichts. Unter dem Gebüsch? Alles leer. „Da hat sich der Osterhase aber viel Mühe gegeben beim Verstecken", murmelte Tom und schob einen Ast zur Seite. „Das wäre doch nicht nötig gewesen!"
„Doch!", rief Philipp. „Suchen macht Spaß. Und der Osterhase weiß genau, wie schlau wir sind. Und deshalb hat er alles gut versteckt!"
„Oder er hat alles schon wieder mitgenommen", jammerte Tom. „Weil wir so spät dran sind!"
Aber da hatte Philipp schon das erste Nest gefunden. „Schaut her, hier, hinter dem Baum!", jubelte er. „Ich glaube, das gehört Tiger und mir. Seht ihr die Tüpfeleier?" O ja, und im Nest lagen Marzipan-Möhrchen und viele kleine und große bunte Eier. Philipp setzte Tiger neben das Nest. „Gut aufpassen, Tiger!", sagte er. „Noch nicht naschen!"Und weiter ging die Suche. Wo konnte das nächste Nest sein? Im Gras versteckt? Oder in einem Loch im Boden? Doch alles, was sie hier fanden, waren Schneckenhäuser und Maulwurfshügel und hinter dem Baum einen Laubhaufen. Und als daraus, schwuppdiwupp, die Igel hervorkrochen, fiel Tom vor Schreck um.
Er blickte hoch, und was sah er im Baum hängen? Ein Körbchen. „Seit wann wachsen Körbchen auf dem Baum?", murmelte er. Dann sah er es: Das Körbchen auf dem Ast war voll mit bunten Eiern und Schokolade! „Da hängt mein Osternest!", rief er voller Freude.

„Woher weißt du, dass das dein Nest ist?", fragte Milly. „Weil ich es zuerst gesehen habe!", rief Tom. „Deshalb!" Er trug das Nest zur Bank. „So, und jetzt suchen wir dein Nest!"Wo sollten sie jetzt noch suchen? Vielleicht im Schuppen? Die Tür konnte man leicht öffnen. „Da ist bestimmt der Osterhase drinnen gewesen!", rief Philipp. „Kommt mit!"
O je, da gab es viele Verstecke: Hinter der Leiter, unter dem Tischchen, auf dem Regal, zwischen den Brettern. Sie stöberten und suchten und kramten, aber da war nichts. So eine Enttäuschung! „Gehen wir", sagte Philipp und machte die Tür hinter sich zu.
Erst jetzt entdeckte Milly ihr Nest an der Wand des Schuppens. Die offene Tür hatte es verdeckt. „Hurra!", rief sie. „Mein Osternest!" Voller Freude lief sie herbei. Sie schaute nach, was ihr der Osterhase gebracht hatte. Und was war im Körbchen?
Nichts als Papier und da eine Schleife und dort ein angebissenes Stück Schokolade. „Ausgeraubt!", schluchzte Milly. „Das waren bestimmt diese gefräßigen Igel! Schaut euch das bloß an!"
Ja, das war wirklich schlimm. „Aber ganz so schlimm ist das auch wieder nicht", tröstete sie Philipp. „Tom und ich, wir haben ja so viele Sachen bekommen. Die teilen wir gerecht auf. Jeder kriegt gleich viel. Nicht wahr, Tom?"
Sie nahmen ihre Körbchen mit und liefen ins Haus. Tom trottete mit seinem schönen vollen Körbchen hinterher. Er war überhaupt nicht zufrieden. „Erst kommt Milly zu spät", murmelte er und schüttelte den Kopf. „Kein Wunder, dass ihr der Igel alles wegfrisst. Und jetzt soll ich alles mit ihr teilen? Ist das vielleicht gerecht?"

Als Tom ankam, hatte Philipp sein Körbchen schon auf dem Tisch ausgeleert. „So", sagte er. „Ich fange an!" Zuerst kamen die Ostereier an die Reihe. Eins für Philipp, eins für Milly, eins für Tom. Dann die Schokoladeneier. Dann die übrigen Sachen. Milly hörte auf zu schniefen. „Wie schön von euch!", sagte sie. „Ihr seid richtig gute Freunde!" 
Erwartungsvoll schauten sie Tom an, und Tom schaute sein schönes, volles Körbchen an. Er seufzte. Langsam, langsam legte er die Sachen auf den Tisch und teilte sie aus. Das für Tom. Das für Philipp. Das für Milly. Wieder seufzte Tom. War das alles? Er drehte das Körbchen um und heraus flatterte ein Zettel. Und was stand darauf?
Auf dem Zettel stand: FÜR MILLY!
Für Milly? „Tom, das war gar nicht dein Osternest!", rief Philipp. „Stimmt, das war gar nicht mein Osternest", murmelte Tom er schrocken. Er kramte im anderen Osternest herum und dann fand er auch dort einen Zettel. FÜR TOM! „Dann haben ja die Igel mein Körbchen ausgeraubt!", sagte er. „Alles weg!"
Fast hätte Tom geweint, doch Milly schob ihm ein großes Schoko-ladenei zu. „Das ist doch halb so schlimm, Tom", sagte sie. „Du hast doch gerade mit uns geteilt. Und jetzt teilen wir mit dir!"
O ja, da war Tom wieder froh und glücklich, und alle freuten sich mit ihm: Toms Schnapppi und Philipp und Tiger und Milly und Hasi. Und ganz bestimmt auch der Osterhase!
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