Frau Eule
15. September 2011
Eines Morgens steht Zeiserl nicht auf. „Was ist jetzt das?" pfeift die Vogelmutter. „Raus aus dem Nest!" Aber Zeiserl bleibt liegen - Zeiserl ist krank.
Da fliegt die Vogelmutter zum Stieglitz. „Herr Stieglitz!" zwitschert sie. „Zeiserl ist krank!" „Rupf‘ ihm eine Feder aus und mach‘ ihm ein Bettchen draus!" sagt der Stieglitz. Das tut die Vogelmutter, aber Zeiserl bleibt liegen, Zeiserl ist krank.
Da fliegt die Vogelmutter zum Fuchs. „"Herr Fuchs!" ruft sie. „Zeiserl ist krank!" „Wirf's aus dem Nest, dann ist es gleich nicht mehr krank!" sagt der Fuchs, denn er hofft, es würde ihm geradewegs ins Maul fallen.
Das tut die Vogelmutter aber nicht, sondern sie fliegt zur Eule. „Frau Eule!" klagt sie, „mein Zeiserl ist krank!" Frau Eule schläft - aber sie macht ein Auge ein bisschen auf. „Sing ihm ein Lied vor!" sagt sie. Das tut die Vogelmutter, sie singt und singt und singt und bald steht das Zeiserl wieder auf und ist ganz gesund.
(nach Original von Marlene Reidel)

5. Mai 2012
Eine Geschichte aus der Zeitschrift Phlipp die MausText: Norbert Landa, Illustrationen: Hanne Türk
Den ganzen heißen Tag lang spielten und badeten Philipp, Tom und Milly am Teich. Nun aber zogen finstere Wolken am Himmel auf. „Wir sollten langsam nach Hause gehen“, sagte Philipp. „Ich glaube, da kommt ein Gewitter!“

Doch Tom rührte sich nicht von der Stelle. Er saß auf dem Steg und schaute ins Wasser. Er hatte nämlich etwas gehört: Das war nicht das Quaken der Frösche oder das Schnattern der Enten; auch nicht das Brummen der Libellen, wenn sie über das Wasser schwirrten.
Nein, Tom hörte etwas glucksen im Wasser unter dem Steg. Und dann sah er Luftblasen aufsteigen. Gluck, gluck, schon wieder.
„Milly, guck, da macht es gluck!“, rief Tom. „Da unten ist etwas!“
Was konnte das nur sein? Immer noch machte es gluck, gluck. „Da unten pupst bestimmt ein Frosch!“, kicherte Milly. „Oder ein Sprudelfisch schwimmt herum, und dem knurrt der Magen!“
„Mir knurrt auch schon der Magen!“, rief Philipp. „Jetzt kommt, wir gehen nach Hause. Außerdem fängt es gleich zu regen an!“
Doch Tom blieb sitzen. „Nicht jetzt!“, rief er aufgeregt. „Später. Erst müssen wir herausfinden, was da unten ist. Bestimmt ein ... ein ... Geheimnis! Wer taucht hinunter?“
„Na, du natürlich!“, riefen Milly und Philipp. Doch Tom wollte nicht. Auf den Baum hinaufklettern, das war seine Sache. Aber in den Teich hinuntertauchen – lieber nicht. „Mach schon, Tom. Hier ist es ja überhaupt nicht tief!“
„Stimmt, aber einer muss oben sitzen und aufpassen, damit nichts passiert!“, sagte Tom. „Milly, du kannst am besten tauchen!“
Also gut. Milly hüpfte in den Teich und steckte den Kopf ins Wasser. Als sie nach einer Weile wieder auftauchte, hielt sie eine kleine Flasche in der Hand. Irgendein Schmutzfink musste sie in den Teich geworfen haben. Sie ließ das Wasser auslaufen, es machte gluck, gluck, und dann sagte Milly: „Siehst du, Tom, irgendein Schmutzfink hat dein Geheimnis in den Teich geworfen, und das kommt jetzt ins Altglas!“ Doch Tom gab sich nicht zufrieden. „Aber es hat gegluckst!“, rief er. „Vielleicht wohnt ein Flaschengeist drinnen! Was steht denn eigentlich auf der Flasche?“
Milly las vor. Auf der Flasche stand: Kikkamen. Was für ein seltsames Wort! Das hatten sie alle noch nie gehört. „Ich weiß!“, spottete Philipp. „So heißt der Flaschengeist. Hier drinnen wohnt der Flaschengeist Kikkamen!“
„Und den nehmen wir mit nach Hause!“, sagte Tom und hielt die Flasche mit der Hand zu. „Und entwischen darf uns dieser Kikkamen auch nicht.“ Dann liefen sie los.

Tom mit seinem Flaschengeist trottete hinterher. Dann blieb er stehen und sang:
Kikkamen, Flaschengeist, weiß genau, wie du heißt!
Immer finsterer wurde der Himmel. „Komm weiter, Tom!“, rief Philipp. „Zu Hause können wir immer noch mit deinem Flaschengeist spielen!“
Aber Tom blieb einfach stehen. „Man muss seinen Namen rufen und dann muss man an der Flasche reiben und dann kommt der Flaschengeist!“, rief er. „Wenn sich einer traut!“
Uuu, das war schon ein bisschen unheimlich, und keiner traute sich alleine. Also riefen sie alle zusammen:
Kikkamen, Flaschengeist,
weiß genau, wie du heißt!
Dann zog Tom sein Taschentuch heraus und rieb an der Flasche. Alle hielten den Atem an. Nichts passierte. Doch plötzlich ...
Rrrums! Da ertönte ein schrecklich lauter Krach. Blitzartig wurde es hell. Wie gespenstisch! Vor lauter Entsetzen ließ Tom die Flasche fallen und rannte davon. Auch Philipp und Milly waren zuerst ganz schön erschrocken, aber dann lachte Philipp. „Das waren doch bloß Blitz und Donner“, rief er. „Jetzt aber schnell nach Hause!“ Schon rauschte der Regen vom Himmel, und sie waren alle pudelnass, als sie endlich daheim waren. Dann aber prusteten sie los. „Hi, hi, Kikkamen“, kicherte Milly.
„Tom mit seinem schrecklichen Donnergeist“, lachte Philipp und schaute hinaus in den Regen. „Da draußen liegt er, der arme Flaschengeist. Und morgen schauen wir nach, ob er noch dort ist!“
Am nächsten Tag machten sich Philipp, Tom und Milly auf die Suche. Sie liefen den Weg zurück zum Teich. Immer noch war alles nass vom Regen in der Nacht. Zum Glück schien schon wieder die Sonne. Wo hatten sie gestern Halt gemacht? Wo hatte Tom vor lauter Schreck seinen Flaschengeist fallen gelassen?
Philipp guckte nach rechts, Milly guckte nach links, und Tom drehte sich um und blickte zurück. Waren sie etwa schon vorbei?
Nein! Philipp sah etwas in der Sonne blinken. „Da vorne liegt sie im Gras!“, rief er, lief hin und hob die Flasche auf. Er schaute sie genau an, und dann flüsterte er: „Vorsicht, Achtung, aufgepasst! Da ist etwas. Das ist er! Da drinnen sitzt er!“

Tom erschrak. Er hielt sich die Augen zu und stotterte: „Der Fla… der Fla… der Fla…“
„Nein, kein Flaschengeist“, lachte Philipp. „Jetzt mach schon die Augen auf. Das ist dein Flaschenkäfer! Schau, da hat sich ein Käfer verkrochen!“
„Ein Flaschenkäfer!“, rief Tom erleichtert. „Jetzt bin ich aber froh. dass wir die Flasche aus dem Teich geholt haben. Jetzt hat der Flaschenkäfer ein schönes, trockenes Flaschenhaus!“
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www.philipp-die-maus.de
25. April 2012

In diesem Frühjahr hat es wenig geregnet.
Viele Blumen lassen ihre durstigen Köpfe hängen.
Nur der alte Apfelbaum, dessen Wurzeln tief in den Boden reichen,
steht in voller Blütenpracht da.
Die Vögel, die in seinen Zweigen ihr Nest gebaut haben, machen sich Sorgen: Bald werden ihre Jungen aus den Eiern schlüpfen. Aber die trockene Erde ist so hart, dass sie kaum ein Würmchen herauspicken können. Wo sollen sie Futter finden? Eben hat das Vogelmännchen seine Frau beim Brüten abgelöst. Da spürt es einen kräftigen Windstoß. Schon fallen dicke Tropfen, und es werden immer mehr. Das Vogelmännchen duckt sich tief ins Nest, damit der Regen die Eier nicht erreicht. Jetzt fängt es gar noch an zu hageln. Und genau in diesem Moment ertönt unter dem Vogel ein leises Piepsen. Das erste Junge will aus dem Ei!
Zum Glück dauern Frühjahrsunwetter selten lange. Bald jagt der Wind die Hagel- und Regenwolken wieder fort. Das Vogelmännchen hüpft auf den Nestrand und schaut nach den Eiern. Es hat richtig gehört: Das erste Ei ist aufgesprungen, und piepsend drängt sich ein winziges, nacktes Junges heraus. Vorsichtig hilft ihm der Vogelvater mit dem Schnabel.
Wo nur die Vogelmutter bleibt? Da kommt sie endlich geflogen - und sie bringt einen dicken Regenwurm mit!
| Die Erde ist wieder weich geworden, es wird genug Würmer geben, um die Jungen zu füttern. Liebevoll läßt sich die Vogelmutter im Nest nieder. Sie wärmt das eben geschlüpfte Junge und brütet auch die beiden anderen Eier aus. Marlene Reidel |
9. Januar 2012
Lustige Geschichte von der Hexe, dem Waldgeist, dem Rübezahl und dem RumpelstilzchenWas für Kinder Seilhüpfen ist, ist für das Rumpelstilzchen Feuerhüpfen.
Nachdem es sich wieder einmal stundenlang damit vergnügt hatte,
verspürte es einen gewaltigen Hunger. Da lief es zum Kartoffelacker,
buddelte Kartoffeln aus der Erde und warf sie ins Feuer.
Bald begannen die Kartoffeln zu schmoren und zu duften,und der Duft stieg den Waldbewohnern in die Nase.
Gleich kam der Waldgeist angegeistert. „Mm, die duften! Lass mich mitessen!" sagte er. Aber das Rumpelstilzchen schüttelte seinen roten Kopf. „Alle sind mein, ich ess‘ alle allein!"
Auch die kleine Hexe kam auf ihrem Besen geritten. „Mm, wie die duften! Lass mich mitessen!" sagte sie. Aber das Rumpelstilzchen schüttelte wieder seinen roten Kopf.
„Alle sind mein, ich ess‘ alle allein!"
Zuletzt stapfte der alte Rübezahl durch den Wald, setzte sich ans Feuer, in dem die Kartoffeln schmorten, und sagte: „Mm, dieser Duft! Lass mich mitessen, Kleiner!" Aber auch beim alten Rübezahl schüttelte das freche Rumpelstilzchen seinen roten Kopf und sagte: „Alle sind mein, ich ess‘ alle allein!", und das tat es dann auch. Eine Kartoffel nach der anderen aß es. Dicker und dicker wurde es, und peng, da platzte es! Hätt‘ es nicht alle allein gegessen, wär es nicht geplatzt!" sagten die Waldbewohner - und sie hatten recht.
Marlene Reidel
27. August 2011

Zwei Mäuse waren in ein Rindenschiffchen gestiegen und ließen sich im Wasser treiben. „Wir machen eine Schiffsreise", piepsten sie abenteuerlustig. „Wir lassen uns den Wind um die Nase wehen und die Sonne aufs Fell scheinen! O, wird das schön werden!" freuten sie sich. „Wir werden uns richtig erholen!"Aber eine räuberische Forelle sah die beiden im Rindenschiffchen. „Mal eine andere Kost", dachte sie voll Appetit und schwamm herbei, um die Mäuse zu fressen.

In diesem Moment stieß ein Fischadler nieder, um die Forelle zu greifen. Zur selben Zeit hatte ein Jäger den Finger am Abzug, um den Fischadler zu schießen. Da fiel ein Apfel vom Baum, dem Jäger auf den Kopf. Er zuckte zusammen, der Schuss löste sich - und ging ins Blaue.
Der Jäger ärgerte sich über den verpatzten Schuss, der Fischadler flog erschrocken davon, und die Forelle tauchte blitzschnell weg.
„Immer diese Knallerei!" sagten die beiden Mäuse im Rindenschiffchen und hatten von nichts eine Ahnung.
Marlene Reidel
21. Mai 2011

Ein Maulwurf und ein Igel stritten sich um eine fette Schnecke.Das sagte der Frosch, der daneben saß: „Haltet Frieden! Wir wollen uns Rätsel aufgeben. Wer am besten raten kann, soll die Schecke haben."
Igel und Maulwurf waren einverstanden.
Der Frosch begann: „Was hat Flossen und einen Schwanz und schwimmt im See?"
„Ein Fisch!" rief der Maulwurf. „Falsch", sagte der Frosch. „Es ist mein Kind, die Kaulquappe. Erst sieht sie aus wie ein Fisch, aber bald wachsen ihr Beine. Dann verliert sie den Schwanz und schließlich ste
igt sie als Frosch an Land."„Das gilt nicht!" schimpfte der Maulwurf. „Deine Familiengeschichte ist kein richtiges Rätsel."
Frosch und Maulwurf begannen zu streiten.
Und was tat der Igel? Er fraß unbemerkt die Schecke auf. Dann sagte er: „Das war wirklich ein schlechtes Rätsel. Ich will euch ein besseres aufgeben: Was liegt in meinem Bauch und macht mich doch nicht satt?" Der Frosch konnte es nicht erraten.
Aber der Maulwurf sah plötzlich, dass die Schnecke nicht mehr da war. Er schrie empört: „Unsere Schnecke!"
„Beinahe richtig", sagte der Igel. „Nur muss es heißen: meine Schnecke!"
Damit rollte er sich gemütlich zusammen und ließ die beiden anderen schimpfen, soviel sie wollten.
Marlene Reidel
